- Der EU AI Act gilt seit August 2024 und wird schrittweise durchgesetzt — Chatbot-Kennzeichnungspflicht (Art. 50) gilt ab August 2026.
- Der Digital AI Omnibus (Mai 2026) verschob die Hochrisiko-KI-Fristen auf Dezember 2027 — die Transparenzpflichten bleiben wie geplant.
- Für die meisten KMU und Kanzleien relevant: Chatbots müssen ab August 2026 offenlegen, dass sie KI sind. Verstöße: bis zu €7,5 Mio. Bußgeld.
Was ist der EU AI Act?
Der EU AI Act (offiziell: Verordnung 2024/1689 des Europäischen Parlaments und des Rates) ist das weltweit erste umfassende gesetzliche Regelwerk zur Regulierung von Künstlicher Intelligenz. Er gilt für alle Unternehmen, die KI-Systeme in der EU einsetzen oder Produkte mit KI-Komponenten in die EU verkaufen — unabhängig vom Firmensitz.
Das Gesetz trat am 1. August 2024 in Kraft und wird in Stufen angewendet. Nicht alle Pflichten gelten sofort.
Die vier Risikoklassen
Unakzeptables Risiko — Verboten
KI-Systeme, die Grundrechte oder Menschenwürde verletzen. Beispiele: Social Scoring durch Regierungen, biometrische Massenüberwachung, Manipulation über subliminale Techniken. Gilt seit Februar 2025.
Hohes Risiko — Strenge Anforderungen
KI in sensiblen Bereichen: Personalentscheidungen (HR), Kreditvergabe, Strafverfolgung, kritische Infrastruktur, medizinische Diagnostik. Anforderungen: Risikobewertung, Datenqualität, menschliche Aufsicht. Frist durch Digital AI Omnibus auf Dezember 2027 verschoben.
Begrenztes Risiko — Transparenzpflichten
KI-Chatbots und Deepfakes. Anforderung: Nutzer müssen klar informiert werden, dass sie mit KI interagieren. Art. 50 EU AI Act. Gilt ab August 2026.
Minimales Risiko — Keine Pflichten
Die meisten KI-Anwendungen: Spamfilter, KI-Schreibhilfe, KI-Bildbearbeitung, Empfehlungssysteme ohne sensiblen Kontext. Keine besonderen Anforderungen.
Art. 50: Die Chatbot-Transparenzpflicht (August 2026)
Artikel 50 des EU AI Act ist die für die meisten Unternehmen und Kanzleien relevanteste Vorschrift. Er lautet (vereinfacht):
Betreiber von KI-Chatbots müssen Nutzer beim ersten Kontakt klar darüber informieren, dass sie mit einer KI interagieren.
Was das konkret bedeutet:
- Die Information muss aktiv und deutlich sichtbar gegeben werden — kein Kleingedrucktes, kein versteckter Hinweis in AGB.
- Sie muss vor dem ersten Austausch erfolgen — nicht erst im vierten Satz.
- Formulierungen wie „Hallo, ich bin der KI-Assistent von Kanzlei Muster" oder „Dieser Chat wird von KI unterstützt" erfüllen die Anforderung.
- Ausnahme: Wenn es „offensichtlich" ist, dass es sich um KI handelt (z.B. ein offensichtlich synthetischer Charakter in einem Videospiel).
Digital AI Omnibus: Was sich im Mai 2026 änderte
Am 7. Mai 2026 verabschiedete das Europäische Parlament das Digital AI Omnibus-Paket — ein Sammelerlass, der mehrere bestehende Digitalgesetze anpasste. Für den EU AI Act bedeutet das:
- Die Umsetzungsfrist für Hochrisiko-KI (Anhang III) wurde von August 2026 auf Dezember 2027 verschoben. Das betrifft KI in HR, Kreditvergabe, Strafverfolgung etc.
- Die Transparenzpflichten aus Art. 50 (Chatbot-Kennzeichnung) bleiben unverändert bei August 2026.
- Neue Klarstellungen zur Definition von „Allzweck-KI-Modellen" (GPAI), die GPT, Claude etc. betreffen.
Zeitplan auf einen Blick
Was Unternehmen jetzt tun müssen
Checkliste: EU AI Act Compliance bis August 2026
- Inventar aller eingesetzten KI-Systeme erstellen und nach Risikoklassen klassifizieren
- Prüfen: Wird ein Chatbot eingesetzt? → Art. 50 Offenlegung implementieren
- Sicherstellen, dass KI-Anbieter Art. 50 erfüllen (Vertragsklausel hinzufügen)
- Interne Schulung: Mitarbeiter wissen, welche KI-Tools mit welchen Pflichten verbunden sind
- Datenschutzbeauftragter informieren (Schnittstelle zu DSGVO-Pflichten)
- Für Hochrisiko-KI (HR, Kredit, etc.): Implementierungsplanung bis Dez. 2027 starten
Bußgelder: Was droht bei Verstößen?
Der EU AI Act sieht gestaffelte Bußgelder vor:
- Verbotene KI: bis zu €35 Millionen oder 7% des weltweiten Jahresumsatzes
- Verstöße gegen Hochrisiko-Anforderungen: bis zu €15 Millionen oder 3%
- Transparenzpflichten (z.B. fehlende Chatbot-Kennzeichnung): bis zu €7,5 Millionen oder 1,5%
Für KMU gilt: Die Aufsichtsbehörden haben angekündigt, zunächst auf Beratung und Compliance-Unterstützung zu setzen — nicht auf maximale Bußgelder. Dennoch: Frühzeitige Compliance ist kostengünstiger als nachträgliche Anpassungen.
Fazit
Der EU AI Act ist kein Bürokratiemonster für die meisten KMU — er ist ein überschaubares Regelwerk mit klaren Anforderungen. Wer nur einen einfachen Chatbot betreibt, hat im Wesentlichen eine Pflicht bis August 2026: sicherstellen, dass Nutzer wissen, dass sie mit KI reden.
KYOU Solutions erfüllt Art. 50 in allen Chatbot-Implementierungen out of the box — Kanzleien, die unsere Lösung einsetzen, sind automatisch compliant.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung. Für eine verbindliche Einschätzung der eigenen Compliance-Pflichten empfehlen wir die Konsultation eines auf IT- und Datenschutzrecht spezialisierten Rechtsanwalts. Stand der Informationen: Mai 2026.
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